


Dietrich Bonhoeffer mit Jean Lasserre auf der Konferenz von Fano August 1934 ©Bonhoeffers Fredensverständnis ist geprägt durch die Unterscheidung zwischen Frieden und Sicherheit: „Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muß gewagt werden“ (Bonhoeffer in Fanö 1934). Dauerhafter, tragender Friede entsteht nicht durch den Versuch der Sicherung mittels Abgrenzung und Abschreckung. Er muss jeweils in offenen Situationen neu gesucht und gestaltet werden. Die Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung unterstützt die Entwicklung von kriegs- und gewaltvermeidenden Alternativen der Konfliktbearbeitung (z. B. im „Zivilen Friedensdienst“).
„Ach daß ich hören sollte, was der Herr redet, daß er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen“ (Ps. 85,9). Zwischen den Klippen des Nationalismus und des Internationalismus ruft die ökumenische Christenheit nach ihrem Herrn und nach seiner Weisung. Nationalismus und Internationalismus sind Fragen der politischen Notwendigkeiten und Möglichkeiten. Aber die Ökumene fragt nicht nach diesen, sondern nach den Geboten Gottes und ruft diese Gebote Gottes ohne Rücksicht mitten hinein in die Welt. Als Glied der Ökumene hat der Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen Gottes Ruf zum Frieden vernommen und richtet diesen Befehl an die Völkerwelt aus. Unsere theologische Aufgabe besteht darum hier allein darin, dieses Gebot als bindendes Gebot zu vernehmen und nicht als offene Frage zu diskutieren.
„Friede auf Erden“, das ist kein Problem, sondern ein mit der Erscheinung Christi selbst gegebenes Gebot. Zum Gebot gibt es ein doppeltes Verhalten: den unbedingten, blinden Gehorsam der Tat oder die scheinheilige Frage der Schlange: sollte Gott gesagt haben? Diese Frage ist der Todfeind des Gehorsams, ist darum der Todfeind jeden echten Friedens. Sollte Gott nicht die menschliche Natur besser gekannt haben und wissen, daß Kriege in dieser Welt kommen müssen wie Naturgesetze?
Dietrich Bonhoeffer auf dem Gelande des Zingsthofes 1935 ©Bonhoeffer hat sein Kirchenverständnis in dem Begriff „Kirche für andere“ verdichtet: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. … Sie muß an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und dienend.“
Die Kirche ist kein Selbstzweck. Das Festhalten an Privilegien oder die Vernachlässigung ihres Dienstes aus Besorgnis um gefährdetete Eigeninteressen schadet ihrer Glaubwürdigkeit. Die Freiheit der Kirche gründet in ihrem Auftrag (Barmer Theologische Erklärung 1934).
Damit die Kirche im Verhältnis zum Staat ihre Unabhängigkeit und Eigenverantwortung zurückgewinnen kann, müssen bestehende Regelungen überarbeitet werden (z.B. Neuordnung der Soldatenseelsorge; Suche nach neuen Wegen der Kirchenfinanzierung). Es folgt aus Bonhoeffers „Entwurf einer Arbeit“ der vollständige Wortlaut derjenigen Passage, in der das Verständnis einer „Kirche für andere“ entfaltet wird.
Quelle: DBW 8, Seite 560 f.
Zitat von Dietrich Bonhoeffer aus „Widerstand und Ergebung-Entwurf für eine Arbeit“ (DBW8, Seite 560f.):
Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Um einen Anfang zu machen, muß sie alles Eigentum den Notleidenden schenken. Die Pfarrer müssen ausschließlich von den freiwilligen Gaben der Gemeinden leben, evtl. einen weltlichen Beruf ausüben. Sie muß an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und dienend. Sie muß den Menschen aller Berufe sagen, was ein Leben mit Christus ist, was es heißt, „für andere dazu sein“. Speziell wird unsere Kirche den Lastern der Hybris, der Anbetung der Kraft und des Neides und des Illusionismus als den Wurzeln allen Übels entgegentreten müssen. Sie wird von Maß, Echtheit, Vertrauen, Treue, Stetigkeit, Geduld, Zucht, Demut, Genügsamkeit, Bescheidenheit sprechen müssen. Sie wird die Bedeutung des menschlichen „Vorbildes (das in der Menschheit Jesu seinen Ursprung hat und bei Paulus so wichtig ist!) nicht unterschätzen dürfen; nicht durch Begriffe, sondern durch „Vorbild“ bekommt ihr Wort Nachdruck und Kraft.
In London auf dem Ruckweg von Amerika nach Deutschland Juli 1939 ©Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. in solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Quelle: DBW 8, Seite 30 f
Mutter Paula Bonhoeffer mit ihren acht Kindern 1910 ©1906
Dietrich Bonhoeffer, geboren am 4. Februar in Breslau, evangelischer Theologe, Promotion, Habilitation, Studentenpfarrer in Berlin.
1933
Dietrich Bonhoeffer gilt bereits als entschiedener Gegner der Nationalsozialisten. Er tritt für die Pflicht der Christen zum Widerstand gegen staatliche Unrechtshandlungen ein. Als Mitarbeiter der Bekennenden Kirche wird er zu einem der führenden Theologen der kirchlichen Oppositionsbewegung.
1938
Dietrich Bonhoeffer wird in die Staatsstreichplanungen um Beck, Canaris und von Dohnanyi eingeweiht.
1940
Vom Widerstandskreis der Spionageabwehr getarnt und mit Reisepapieren versorgt, benutzt er seine kirchlich-ökumenischen Kontakte, um im Ausland die Ziele des deutschen Widerstands zu erläutern und politische Unterstützung für die Umsturzpläne und eine baldige Kriegsbeendigung zu suchen.
1943
Dietrich Bonhoeffer wird verhaftet und bleibt ohne Gerichtsverfahren im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Berlin-Tegel inhaftiert. Hier entstehen die Briefe und Texte für das Buch "Widerstand und Ergebung".
1945
Am 9. April wird Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg durch die SS ermordet.